Qualifizierungs-
& Weiterbildungsangebote

Ein wesentlicher Bestandteil und Beweggrund für unsere Arbeit war von Anfang an die Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Aus der verbandlichen Jugendarbeit kommend war das Prinzip der Selbstbestimmung und Mitverantwortung immer eine Grundlage unserer Circusarbeit. So wurden schon immer Jugendliche aus den verschiedenen Projekten durch Schulungswochenenden zu Übungsleitern herangebildet und spezielle Fortbildungsangebote entwickelt und durchgeführt.

Circus-Jugendübungsleiter

Seit 2011 führen wir die Qualifizierung zur Circus-Jugendübungsleiterin nach dem Konzept der Bundesarbeitsgemeinschaft Zirkuspädagogik (BAG-Zirkus) durch. Seitdem haben mehr als 100 Jugendliche dieses Angebot durchlaufen.

Die Schulung hat das Ziel, Jugendliche zu befähigen unter der verantwortlichen Anleitung eines Circuspädagogen selbständig Trainingsgruppen in einem circuspädagogischen Angebot zu leiten. Sie lernen unter Berücksichtigung der Zielgruppe die Grundlagen verschiedener Circuskünste didaktisch methodisch zu vermitteln.

Voraussetzung sind mindestens zwei Jahre Vorerfahrung als Teilnehmer in einem Kinder- und Jugendcircus, ein Mindestalter von 15 Jahre bei Schulungsbeginn und die Möglichkeit für begleitete Praxiserfahrung.

Da wir in unseren Feriencamps und Schulklassenprojekten nur eine begrenzte Anzahl von Praktikumsplätzen anbieten können und auch eine Durchmischung der Gruppe mit TeilnehmerInnen aus anderen Circusprojekten sinnvoll ist, haben auch Jugendliche aus anderen Projekten eine gute Chance und sind uns herzlich willkommen.

Baustein 1a und b: Pädagogische und didaktische Grundlage der Circuskünste

2 Wochenenden a 15 Unterrichtseinheiten

Inhalte

  • Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen
  • Formen und Ziele der circuspädagogischen Kinder- und Jugendarbeit
  • rechtliche Grundlagen
  • Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter
  • Gruppenpädagogik und Rolle als Jugendleiter
  • Organisation und Planung von circuspädagogischen Angeboten
  • Einführung in die Circuskünste

Baustein 2a und b: Praxisvertiefung der Circuskünste

2 Wochenenden a 15 Unterrichtseinheiten

Inhalte

  • Körperliche, technische Grundlagen
  • Methodischer Aufbau von Trainingseinheiten
  • Circus als Kunst
  • Circus als Abenteuer
  • Sicherheit und Gesundheit
  • Artistische Vertiefung in zwei selbst gewählten Nummern

Baustein 3: Erste Hilfe

9 Unterrichtseinheiten

Mindestens Teilnahme an einem offiziellen Grundkurs (Führerschein). Noch besser ist ein spezieller Erste-Hilfe-Kurs für Sport und Jugendarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Bei entsprechendem Bedarf bieten wir einen Erste-Hilfe-Kurs an.

Baustein 4: Begleitete Praxiserfahrung

mindestens 60 Unterrichtseinheiten

Möglich ist das durch die Mitarbeit als Übungshelfer an zwei unserer einwöchigen Feriencamps oder Klassenprojekte.

Inhalte

  • Mitarbeit an einem circuspädagogischen Praxisfeld
  • Mitgestaltung eines Inzenzierungsprozesses und einer circensischen Darbietung
  • Reflexion der Arbeit durch Anleitungsgespräche.

Circus-Jugendtrainer

Aufbauened auf die Circus-Jugendübungsleiterin ist die Weiterbildung zur Circus-Jugendtrainerin möglich.

Die Schulung hat das Ziel der selbständigen Leitung von Trainingsgruppen in einem circuspädagogischen Projekt unter der Gesamtverantwortung einer (circus-)pädagogischen Fachkraft. Dabei ist der Circus-Jugendtrainer in Organisation und Realisierung der Projekte eingebunden. Er ist in der Lage einzelne Disziplinen auch in fortgeschrittenen Gruppen zu vermitteln und kann mit verschiedenen Zielgruppen arbeiten.

Die Qualifizierung richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die bereits Circus-Jugendübungsleiterinnen sind und umfangreiche Praxiserfahrungen mitbringen.

Die Qualifizierung hat einen Umfang von 75 Unterrichtseinheiten an verschiedenen Weiterbildungs-Wochenenden und mindestens 60 Unterrichtseinheiten Praxiserfahrung.

Hierzu bieten wir verschieden Bausteine an, die (nach vorheriger Absprache mit uns) auch durch vergleichbare circuspädagogische Weiterbildungsangebote anderer Institute ergänzt werden können.

Baustein 5: „Praxisvertiefung in 2 artistischen Schwerpunkten“

2 Wochenenden a 15 Unterrichtseinheiten

Diese Wochenenden dienen der artistischen und didaktischen Weiterbildung in speziellen Teilbereichen der Circuspädagogik. Dabei sollen die Teilnehmer sich möglichst in den Bereichen weiterbilden, in denen sie bereits umfassendes artistisches Können und Vorerfahrungen in der Vermittlung haben. Ein wichtiger Bestandteil dieser Wochenenden ist der Bereich „Sicherheit und Gesundheit“.

Mögliche Baustein-Wochenenden sind:
„Sicherheit in der Luftartistik“

  • sichere Artistengeräte,
  • Aufhängung von Luftgeräten,
  • Hilfestellung und Sicherung,
  • Sicherheitsbewußtsein,
  • sicheres Training, Risikominimierung,
  • der Reiz des Risikos in der Luftartistik

„Sicherheit in der Akrobatik“

  • sichere Artistengeräte,
  • Einsatz von Matten,
  • Hilfestellung und Sicherung,
  • Sicherheitsbewußtsein,
  • sicheres Training, Risikominimierung,
  • der Reiz des Risikos in der Akrobatik

„Feuer im Kinder- und Jugendcircus“

  • Gefahren bei der Arbeit mit Feuer,
  • Vorschriften, Abgrenzung zur Pyrotechnik,
  • gesundheitliche Aspekte, Erste-Hilfe
  • Materialien, Requisiten, Aufbewahrung,
  • Vermittlungsmethoden, praktische Versuche,
  • Fakirtechniken und Zauberei mit Feuer,
  • Feuerrequisiten in der Artistik,
  • Spiel mit dem Feuer in der Pädagogik

„Clownerie, Theater und Improvisation“

  • Auseinandersetzung mit der Rolle der Clownerie im Circus,
  • Arbeit mit klassischen Clown Entrees,
  • Entwicklung von eigenen Reprisen,
  • Improvisation und Spiele aus dem Improvisationstheater,
  • Entwicklung einer clownesken Rahmenhandlung

Da wir nicht jeden denkbaren Bereich anbieten können, sind wir auch für Wünsche und Anregungen offen. Gleichzeitig ist es natürlich auch möglich, dass circuspädagogische Angebote anderer Bildungsinstitute angerechnet werden.

Baustein 6: Choreographie und Inszenierung

2 Wochenenden a 15 Unterrichtseinheiten

In diesem Baustein erarbeitet jeder Teilnehmer, in einer Gruppe aus aktiven Circus-JugendübungsleiterInnen und TrainerInnen, mindestens zwei artistische Nummern und bindet diese in eine gemeinsame Inszenierung ein. Diese wird als Übungsleitershow am Saisonende öffentlich aufgeführt. Der Schwerpunkt liegt bei diesem Baustein auf Choreographie, Inszenierung und Aufführung, nicht im Erlernen neuer Tricks und Techniken oder der Vermittlung der Circuskünste.

Baustein 7: „Leitbild Circuspädagogik“

1 Wochenende mit 15 Unterrichtseinheiten

Mit diesem Wochenende wollen wir die vorangegangenen Qualifizierungsangebote und eure mehrjährigen Praxiserfahrungen reflektieren und abrunden.

Dabei setzen wir uns mit dem pädagogischen Leitbild der Bundesarbeitsgemeinschaft Zirkuspädagogik auseinander, forschen bei uns selbst nach Erfahrungen, Werten und Zielen, die uns selbst in der circuspädagogischen Praxis besonders wichtig geworden sind. Hieraus versuchen wir dann uns ein eigenes Leitbild zu erarbeiten, an dem wir künftig unsere Arbeit ausrichten und überprüfen können. Erst durch diese bewusste Auseinandersetzung und Bewusstmachung können wir in der Circuspädagogik dauerhaft das erreichen und sichern, was uns selbst als Teilnehmer wertvoll war.

Baustein 8: Begleitete Praxiserfahrung

mindestens 60 Unterrichtseinheiten in mehreren verschiedenen Angebotsformen

Die Praxiserfahrung kann in zwei unserer einwöchigen Circusprojekte oder in einem anderen circuspädagogischen Praxisfeld erbracht werden. Dabei soll Eigenverantwortung geübt und die Arbeit mit verschiedene Projektformen und Zielgruppen kennengelernt werden. Die Praxis soll daher mindestens zwei sehr unterschiedliche Gruppen oder Projektformen umfassen.

Circuspädagogische
Weiterbildung

Die einzelnen Bausteine aus der Qualifizierung zum Circus-Jugendtrainer können gerne auch von anderen in der Circuspädagogik tätigen Menschen genutzt werden. Unsere langjährigen Erfahrungen geben wir im Rahmen unserer zeitlichen Möglichkeiten auch gerne an andere Projekte weiter.